Woran erkennt man einen guten Aufguss?

Zur professionellen Durchführung eines Saunaaufgusses sind verschiedene Punkte zu beachten und in Einklang zu bringen. Fünf davon werden hier kurz von Rolf-A. Pieper dargestellt.

Einsatz qualitativ hochwertiger Aufgussmittel

Die Wahl des Aufgussmittels ist von großer Bedeutung für das Aufgusserlebnis. Der heutige Markt bietet dafür eine enorme Vielfalt. Für das Aufgusspersonal ist es aber wegen oft fehlender oder unzureichender Inhalts- und Dosierangaben nicht leicht, das richtige Produkt zu finden. Zudem wird die Qualität eines Aufgussmittels neben dem hochwertigen Duftstoff auch durch die Güte des Lösungsvermittlers (Alkohol/Glukol) bestimmt. Um die Auswahl zu erleichtern, hat der Deutsche Sauna-Bund unter seinem Qualitätszeichen „Blauer Tropfen“ Qualitätskriterien zusammengestellt.

Das Aufgussmittel muss gut dosiert eingesetzt werden. Der Duftstoff soll gerade wahrnehmbar, keinesfalls zu stark riechbar sein. Er muss aber ausreichend lange im Raum stehen. Bei der Kombination von Düften dürfen sie sich nicht überlagern, und sie müssen in ihrer Reihenfolge zum Thema und zur Wirkungsart (beruhigend, anregend usw.) passen.

Selbstverständlich müssen die Dosiervorgaben des Herstellers und des Sicherheitsdatenblattes eingehalten werden. Eigene Rezepturen müssen unbedingt vor dem öffentlichen Einsatz sorgfältig getestet werden. Alkoholaufgüsse (z. B. Slibowitz, Cognac, Gin) lehnt der Deutsche Sauna-Bund ab, damit Menschen mit akuten oder früheren Alkoholproblemen nicht in seelische Not gebracht werden.

Der sachgerechte Umgang mit Aufgussmitteln zeigt die Aufgusskompetenz des Personals.

Professionalität des Aufgiessers

Aufgüsse werden heute von geschultem Personal mit geübtem Verhalten durchgeführt. Es wird von den Saunagästen respektiert, weil es in angemessener sportiver Berufskleidung mit geeignetem Kübel und der Raumgröße angepasster Kelle arbeitet. Zum weiteren Equipment gehören saubere Wedeltücher und ein Schweißtuch.

Der Aufguss beginnt pünktlich zur bekanntgegebenen Zeit. Die Gäste werden freundlich begrüßt, die Sicherheitshinweise in klarer Ansprache gegeben. Das Aufgusspersonal ist achtsam, es hat seine Gäste im Blick, erkennt Unwohlsein und korrigiert angemessen mögliches Fehlverhalten. Hilfreich ist dafür eine herzliche Distanz, die dennoch Raum für eine freundliche Atmosphäre lässt. Hauptaufgabe des Aufgießers ist es, die richtige Aufgussstimmung zu inszenieren. Er oder sie vermittelt den Gästen das prickelnde Gefühl, die eigentlichen Hauptdarsteller des Hitzerituals zu sein.

Das Aufgusspersonal setzt den deutlichen Endpunkt des Aufgusses, verabschiedet seine Gäste und wartet ab, bis alle die Aufguss-Sauna verlassen haben. Im Saunaraum verbleibende Gäste werden abschließend im Sinne der Aufsichtsführung nach ihrem Wohlbefinden befragt.

Umfassende Unterrichtung der Gäste

Mit Saunaaufgüssen sind physiologische und manchmal auch psychische Reize verbunden. Deshalb muss der Saunagast über alle Modalitäten frühzeitig und umfassend informiert werden. Er muss die Aufgusszeit und die Aufgusskabine kennen, um rechtzeitig vor Ort zu sein. Er muss wissen, welcher Duftstoff den Aufguss begleitet. Aufgussmittel können gelegentlich trotz der großen Verdünnung allergische Reaktionen hervorrufen. Ihm muss die Aufgussdauer bekannt sein, damit er sich körperlich darauf einstellen kann. Die ideale Zeitspanne beträgt 6 bis 8, höchstens 10 Minuten. Für die Aufgussdauer ist zu beachten, dass Saunagäste oft schon einige Minuten vor Aufgussbeginn im Saunaraum sind, um sich einen Platz zu sichern.

Über diese Aufgussdetails und gegebenenfalls auch über Beigaben zum Aufguss wie Früchte, Getränke oder Scherbeneis sollte der Gast durch einen zentral aufgehängten Aufgussplan orientiert werden. Für ein erfolgreiches Sauna-Marketing kann der Aufgussplan ins Internet gestellt werden.

Direkt vor der Aufguss-Sauna kann der Gast mit einer Tafel an Zeit und Duftstoff erinnert werden. Auch der Aufgießer gibt den Aufgussgästen unmittelbar vor Beginn der eigentlichen Zeremonie als Sicherheitshinweise noch einmal die Aufgussdauer, den zum Einsatz kommenden Duftstoff und die Möglichkeit, den Aufguss jederzeit verlassen zu können, bekannt. Aus haftungsrechtlichen Gründen sollte auf die Sicherheitshinweise nicht verzichtet werden.

Variantenreiche Wedeltechnik

Das Wedeln, Wacheln und Abschlagen mit den speziellen Aufgusstüchern oder anderen Wedelutensilien (Fächer, Fahnen o. ä.) dient der Luftbewegung und Hitzeverteilung. Es wird in fließenden Bewegungen raumgreifend vorgetragen; darf aber nicht selbstdarstellerisch wirken.

Vor Beginn des Aufgusses kann das Aufgusspersonal „lüften“ und Frischluft mit sogenannter Schaufeltechnik in den Saunaraum bringen. Viele Gäste empfinden die Kühle angenehm. Die intensive Wärmestrahlung in die Haut des Badenden vermindert sie jedoch nicht.

Der eigentliche Aufguss gliedert sich in drei oder vier Runden. In jeder Runde sollte die Wedeltechnik variiert werden. Die Fortbildungsakademie des Deutschen Sauna-Bundes vermittelt als Standardwedelarten das einfache Abschlagen, die eingerollte Technik, die halbe oder die ganze Acht. Der vom Saunaofen aufsteigende heiße Wasserdampf wird so im Raum gleichmäßig verteilt. Er muss alle Gäste erreichen. Besonders beim Abschlagen wird die auf der Haut des Badenden ruhende Haftschicht fortgerissen; die Wärme der Luft erreicht direkt die Körperoberfläche.

Das Aufgusspersonal bewegt sich ruhig, den Gästen zugewandt, im Saunaraum. Es beherrscht die Wedeltechniken so gut, dass kein Gast von den Utensilien getroffen oder verletzt wird.

Erlebnisorientierte Inszenierung

Ein gelungener Aufguss ist ein interaktives Szenarium. Die Themenauswahl kann sich an Jahreszeiten, Ländern und Kontinenten, Ereignissen oder Gebräuchen orientieren. Das Thema wird durch ausgewählte Duftstoffe unterstützt. Der Duftstoff (z. B. Frische) kann auch das eigentliche Aufgussthema sein. Der thematische Bezug des Aufgusses kann durch Beigaben (Fruchtstücke, Eis, Tee) verstärkt werden. Sie müssen hygienisch gereicht werden; am passendsten zum Aufgussende.

Das Aufgießen ist eine Zeremonie. Das Aufgusswasser wird gemächlich auf die heißen Ofensteine gleichmäßig verteilt. Die Wassermenge bestimmt die Intensität des Hitzereizes. Für einen gesundheitlich unbedenklichen Aufguss beträgt sie 20 bis 30 g Wasser/m3 Rauminhalt des Saunaraumes bei einer Raumtemperatur von 90 Grad Celsius knapp unter der Raumdecke gemessen.

Die Inszenierung des Aufgusses kann einem Spannungsbogen mit thematischem Höhepunkt in der zweiten Runde folgen oder der Hitzereiz kann von Runde zu Runde gesteigert werden mit abschließendem Finish. Welche Inszenierungsart auch gewählt wird, das Wohlbefinden der Gäste muss immer im Vordergrund stehen. Nur so wird die Voraussetzung geschaffen, dass der Gast sich im Aufguss gut aufgehoben fühlt. Er kann dann Atmosphäre und Erlebnis genießen.

Zur Bewertung der Teilnehmer der Deutschen Aufguss-Meisterschaft werden darüber hinaus noch weitere Aspekte begutachtet (siehe Reglement).